Serbien: Ein Ort des Neuanfangs
Am Rand der serbischen Hauptstadt Belgrad stärkt das Mütterzentrum Aurora Mine Frauen – und ermächtigt sie dazu, sich selbst zu helfen.
Am Rand der serbischen Hauptstadt Belgrad stärkt das Mütterzentrum Aurora Mine Frauen – und ermächtigt sie dazu, sich selbst zu helfen. Eine Stunde Zeit mit anderen Frauen, Zeit für sich selbst – das bedeutet Sandra alles. Im Roma-Mütterzentrum Aurora Mine kann sie einmal in der Woche „durchatmen“, erzählt sie. Aurora heißt Morgenröte. Für die rund hundert Frauen, die in diesem Zentrum am Rande von Belgrad ein- und ausgehen, ist Aurora tatsächlich ein Ort des Neuanfangs.
Die Roma stellen rund zwei Prozent der Bevölkerung in Serbien. Fast die Hälfte lebt in Siedlungen ohne Strom, Wasser und Kanalisation. Nur jede oder jeder Fünfte hat eine feste Arbeitsstelle. Der Zugang zu Bildung und Gesundheitsdiensten ist stark eingeschränkt. Sandras Familie besteht aus elf Personen, sie teilen sich ein kleines Zimmer.
Im Mütterzentrum gibt es eine Küche, eine Spielecke für die Kinder, ein paar Tische, Nähmaschinen. Sandra, heute 27 Jahre alt und Mutter von drei Kindern, erinnert sich noch genau an ihren ersten Besuch vor sieben Jahren. Damals hatte sie keine Zukunftsperspektive. Heute erzählt sie stolz von ihrem Job als Reinigungskraft im Krankenhaus.
Bei Aurora hat sie gelernt, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Jelena Brkic, die Gründerin des Zentrums, weiß, wie wichtig ein Netzwerk von Frauen sein kann: „Es ist die Solidarität, die uns stark macht.“ 2015 war Brkic mit ihrer Familie nach Deutschland geflohen. Im Mütterzentrum im Generationenhaus Heslach (MüZe Süd) in Stuttgart erfuhr sie wertvolle Unterstützung. 2016 kehrte die Roma-Frau mit ihrer Familie freiwillig nach Serbien zurück, nachdem ihr Asylantrag abgelehnt worden war. Unterstützt von Andrea Laux, Vorstandsvorsitzende von mine e. V., einem internationalen Mütternetzwerk für Empowerment, und der ehrenamtlichen Integrationshelferin Heide Soldner gründete Brkic in ihrer Heimat ein Mütterzentrum nach deutschem Vorbild. Die Baden-Württemberg Stiftung fördert das Projekt.
Im Mütterzentrum gibt es Vorträge zur Gesundheitsvorsorge, die Frauen sprechen offen über häusliche Gewalt oder Kindererziehung. Und sie verdienen mit Näharbeiten ein kleines Einkommen. „Das Besondere ist, dass die Frauen alles selbst machen und sich selbst organisieren“, erklärt Andrea Laux. Sandra hat keinen Schulabschluss, aber im Zentrum hat sie gelernt, wie sie die Lebensbedingungen für ihre Familie verbessern kann. Es geht im Mütterzentrum nicht nur um kurzfristige Hilfe, sondern um dauerhafte Veränderung.