ZU-VER-SICHT. In großen Lettern strahlen die drei Silben, die auf dem Schaufenster in der Kriegsbergstraße 42 stehen, den Passantinnen und Passanten schon von Weitem entgegen. Zwischen Stuttgarter Hauptbahnhof und Universitätsgebäude, also mitten im Leben der Landeshauptstadt, hat die Baden-Württemberg Stiftung ihren Sitz. Der große Schriftzug vermittelt anschaulich die Haltung der Landesstiftung: In unruhigen Zeiten setzt sie der „German Angst“ Optimismus und „Zuversicht made in Baden-Württemberg“ entgegen. Soll heißen: Hier werden neue Wege erforscht, die in eine gute Zukunft für die Menschen führen, hier wird Festgefügtes aus anderen Perspektiven betrachtet.
Diese Ausrichtung einer Landesstiftung auf die Zukunft ist deutschlandweit einzigartig. In anderen Bundesländern fördern landeseigene Stiftungen Kultur und Heimat. Aber auch wenn man in Baden-Württemberg viel Sinn für Tradition hat, weiß man nur zu gut: Beständig ist nur eines, der Wandel. Er kommt, auch wenn man versucht, ihn zu ignorieren. Besser ist es, über die alltäglichen politischen Routinen und Begrenzungen sowie über die Legislaturperiode hinauszudenken und sich an die Spitze neuer Entwicklungen zu setzen. Erwin Teufel, von 1991 bis 2005 Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hatte vor 25 Jahren die Idee, eine unabhängige und überparteiliche Stiftung zu gründen, die Wandel selbst gestaltet: in der Spitzenforschung, in der Bildung sowie in Gesellschaft und Kultur. Sie sollte Zukunftstechnologien fördern, den internationalen Austausch von Studierenden und Berufstätigen vorantreiben, auf gesellschaftliche Herausforderungen frühzeitig und wissenschaftlich fundiert reagieren. Mit dem Ziel, ein lebendiges und lebenswertes Baden-Württemberg zu sichern.
Eine Milliarde Euro fürs Land
Es ist eigentlich gar nicht so überraschend, dass es vor einem Vierteljahrhundert ausgerechnet Erwin Teufel war, der in einem glücklichen politischen Moment die Gelegenheit ergriff, diese Zukunftsschmiede zu gründen. So bodenständig wie Teufel selbst war auch die Grundidee: Vermögen über Generationen hinweg zu erhalten und aus den Erträgen etwas zurückzugeben. Im Jahr 1999 hatte das Land seine Anteile am Energiekonzern EnBW im Wert von rund 4,7 Milliarden DM verkauft. Eine Menge Geld. Hätte man es – dem Entschuldungszeitgeist der Nullerjahre folgend – einfach in die Staatskasse fließen lassen, wäre das Geld längst vollständig ausgegeben.
Teufel hatte andere, heute würde man sagen, nachhaltigere Pläne: „Die EnBW war das Vermögen des Landes und damit das Vermögen seiner Bürgerinnen und Bürger. Wir wollten für das Land einen gleich großen Vermögenswert an die Stelle der EnBW setzen.“
Kein ganz unwichtiger Aspekt dabei: Auch eine Landesregierung zahlt nicht gerne Steuern. Gebunden in der Stiftung blieb das Kapital vollständig erhalten. Ihr Vermögen in Höhe von rund 2,3 Milliarden Euro hat die Baden-Württemberg Stiftung seither im Wesentlichen in Investmentfonds, Immobilien und Unternehmensbeteiligungen investiert. Rund 40 Millionen Euro betragen die Gesamterträge pro Jahr, mit denen die gemeinnützigen Programme und Projekte finanziert werden. Seit ihrer Gründung hat die Baden-Württemberg Stiftung mehr als eine Milliarde Euro ins Land investiert.