So geht Zuversicht: 25 Menschen

Es ist eine gute politische Tradition in Baden-Württemberg, die Lösung wichtiger Zukunftsfragen gemeinsam anzugehen. Seit 25 Jahren nutzt die Baden-Württemberg Stiftung diese Kraft der Zusammenarbeit, um das Land voranzubringen. Dabei war ihre Gründung alles andere als selbstverständlich. Ein Blick zurück und nach vorn.

Benno Stieber

Foto: Müller

Pandemien bekämpfen

Thanigaimalai Pillaiyar arbeitet daran, Pandemien schneller einzudämmen. Im Zuge der Globalisierung werden weltweite Infektionswellen häufiger auftreten. „Wir rechnen alle zehn Jahre damit“, sagt er. Der Chemiker forscht an der Universität Tübingen an einem Medikament, das Viruserkrankungen wie Covid-19, Denguefieber oder Ebola bekämpft. Die Arbeit ist anspruchsvoll: Viren lassen sich im Körper nicht einfach mit einem Desinfektionsmittel abtöten, das würde körpereigene Zellen schädigen. Pillaiyar setzt deshalb auf Proteinkinasen, die von fast allen Viren als Wirt genutzt werden. Gelingt es, sie zu blockieren, könnten gleich mehrere Erkrankungen verhindert und das Risiko für eine Arzneimittelresistenz gesenkt werden. Pillaiyar hat mehrere solcher Wirkstoffe identifiziert. Er plant, sie bald zu testen – um in der nächsten Pandemie hoffentlich Leben zu retten. Die Baden-Württemberg Stiftung fördert sein Projekt im Programm Antivirale Therapien.

Text: Joshua Kocher

 

 

Foto: Müller

Neue Energie liefern

Godson Amamoo ist überzeugt: „Die Welt verändert sich durch jede einzelne Person und jede einzelne Handlung.“ 2022 kam der Solarexperte aus Ghana mit dem Baden-Württemberg-STIPENDIUM für Berufstätige nach Reutlingen, um in führenden Unternehmen für erneuerbare Energien praktische Erfahrungen zu sammeln: „Manchmal fühlte ich mich fremd, und das Wetter war eine echte Umstellung.“ Dank der Förderung konnte Amamoo das erste Mal in seinem Leben reisen. „Das Stipendium hat meinen Horizont enorm erweitert und mich mit einem globalen Netzwerk verbunden“, sagt er. In seiner Heimat wendet er sein Wissen am „Don Bosco Solar and Renewable Energy Centre“ an. Sein Ziel: erschwingliche Solarstromlösungen für Gemeinden mit begrenztem Zugang zu Elektrizität zu entwickeln. „Die Welt verändert sich nicht über Nacht, aber wenn wir engagiert bleiben, zusammenarbeiten und immer weitermachen, können wir sie zu einem besseren Ort machen.“

Text: Nora Chin

Foto: Janas

Hoffnung spenden

Julia Nagele aka listentojules ist eine Musik-Erzählerin: „Alltagsbeobachtungen werden in ihren Texten zu Geschichten, ein Sound wuchert zu einem Klanggarten.“ Mit diesen Worten kürte die Jury des Musikwettbewerbs Klangspektrum BW – eine Corona-Hilfsaktion der Baden-Württemberg Stiftung, des SWR und der Eva Mayr-Stihl Stiftung – die Sängerin im Sommer 2020 zur Gewinnerin in der Kategorie Jazz. „Das hat mir geholfen, nicht den Glauben an die eigene Kunst zu verlieren.“ Das Preisgeld setzte Nagele für neue Songs und eine Videoreihe ein. Damals kam ihr die Idee, mit Musik eine Spendenaktion für den Regenwald ins Leben zu rufen. Bis heute setzt die 33-Jährige ihr Engagement fort. Kann Musik wirklich etwas bewirken? „Ja, denn sie kann Bewusstsein schaffen und Menschen inspirieren, aktiv zu werden. Lasst uns zusammen Haltung zeigen. Denn echter Wandel beginnt genau hier. Mit mir und mit dir.“ Und mit guter Musik!

Text: Nora Chin

Foto: Stolz

Mut machen

Maximilian Kittel ist Facharzt für Labormedizin. Während der Pandemie leistete er Pionierarbeit. Kittel koordinierte von 2020 bis 2022, damals noch als Assistenzarzt, die Arbeit eines mobilen Corona-Testlabors. Aus einem 40-Tonnen-Lkw wurde das CoVLAB – eine Innovation der Baden- Württemberg Stiftung und der Universitätsmedizin Mannheim. „Die Basis war ein Überseecontainer, der mit speziellen Werkbänken, einem Abluftsystem und einer Datenverbindung zum Klinikum ausgestattet wurde“, sagt Kittel. Nur zwölf Wochen dauerte es von der Idee bis zum ersten Einsatz. Angesteuert wurden Orte mit besonders vulnerablen Gruppen, die Justizvollzugsanstalten des Landes, aber auch Alten- und Pflegeheime, Schulen sowie Flüchtlingsunterkünfte. „Es war wirklich Teamwork, aus dem wir alle viel gelernt haben“, sagt Kittel. Inzwischen wurde das CoVLAB den Maltesern übergeben. Die Hilfsorganisation will den Truck im Katastrophenschutz einsetzen.

Text: Leon Scherfig

Foto: Müller

Willkommen heißen

Katherine González Moncada wurde in Kolumbien geboren. Das Baden-Württemberg-STIPENDIUM ermöglichte ihr ein Studium an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Der Austausch veränderte ihr Leben; González blieb im Südwesten. Heute leitet sie das Welcome Center der IHK Nordschwarzwald in Pforzheim und berät internationale Fachkräfte, Auszubildende und Studierende, etwa zur Anerkennung ihrer Abschlüsse: „Es freut mich, dass ich jetzt Menschen helfen kann, ihren Weg in Deutschland zu finden – so wie ich ihn gefunden habe.“ Zudem unterstützt González regionale Unternehmen bei der Suche nach internationalen Fachkräften. Ehrenamtlich arbeitet sie im Vorstand des „Vereins der Stipendiaten und Freunde des Baden Württemberg-STIPENDIUMs“. Von ihr organisierte Exkursionen zu den Vereinten Nationen in Genf und zu KZ-Gedenkstätten in Polen waren sehr gefragt. „Ich glaube an die Kraft der persönlichen Weiterentwicklung, an Bildung und Völkerverständigung.“

Text: Sylvia Rizvi

 

 

Foto: Karakurt

Daten ernten

Iris Palmer ist Bodenkundlerin und damit Grundlagenforscherin im Wortsinn: „Boden ist der Ursprung vieler ökologischer Prozesse.“ Spezialisiert ist Palmer auf Bodenschutz und Smart Farming. Im Projekt „ENABLE“ untersucht sie auf einem Hof in Renningen als Teil eines multidisziplinären Teams, was Nutzpflanzen klimaresilienter macht und wie Artenvielfalt auf Äckern erhalten bleibt. Dabei helfen KI und digitale Werkzeuge: Die Forschenden schicken Roboter auf die Felder, um Unkraut zu bekämpfen. Sie ernten mit Drohnen und Sensoren wertvolle Daten und tüfteln an einer IT-Architektur, um die Informationen zu nutzen. „Die Herausforderung ist es, die Erkenntnisse zu verknüpfen“, erklärt Palmer. Bei dieser komplexen Aufgabe werden die Forschenden von der Baden-Württemberg Stiftung unterstützt, die „ENABLE“ im Rahmen des Programms Klimaresilienz in der Land- und Forstwirtschaft fördert.

Text: Elisa Holz

Foto: Müller

Medizin verbessern

Fedor Jelezko interessierte sich schon für Quantencomputer, da war noch nicht mal das erste Smartphone auf dem Markt. 2004, als Postdoc an der Universität Stuttgart, wollte der Physiker das Potenzial von Diamanten in der Quantentechnologie erforschen: „Das Feld war noch so unbekannt, dass sich niemand außer der Baden-Württemberg Stiftung traute, mein Projekt zu fördern.“ Das Eliteprogramm für Postdocs half ihm, seine Grundlagenforschung voranzutreiben; inzwischen gibt es Quantensensoren auf Diamantbasis, die schon bald in der personalisierten Medizin eingesetzt werden. Sie können etwa Krebs erkennen, bevor ein Patient Symptome zeigt. „Ich habe große Hoffnung, dass sich dadurch unser Leben verbessern wird“, sagt Professor Jelezko, der heute das Institut für Quantenoptik an der Universität Ulm leitet und weltweit zu den meistzitierten Forschern seines Fachs zählt.

Text: Joshua Kocher

Foto: Müller

Zukunft erfinden

Tabea Hosch und Magnus Spang sind Start-up-Gründer. Sanierungsarbeiten an ihrer Schule in Tuttlingen brachten sie 2020 auf eine Idee: „Wir wollten die Eigenschaften von Baustoffen wie Beton verbessern, damit sie länger halten und nachhaltiger sind“, sagt Spang, der heute Maschinenbau studiert. Am Schülerforschungszentrum Tuttlingen entwickelten die beiden das Projekt „Biomodifizierte selbstheilende Baustoffe“ und erhielten dafür 2021 den Artur Fischer Erfinderpreis. „Ohne die Förderung wäre das Projekt für uns als Schüler nicht zu stemmen gewesen. Wir haben viele Kontakte in die Industrie knüpfen können“, sagt Biochemie-Studentin Hosch. Ihr Unternehmen haben die beiden vorangetrieben. „Unter Laborbedingungen funktioniert unser Zusatzmittel schon und heilt kaputten Beton“, sagt Spang. Dies könnte Sanierungsarbeiten aller Art revolutionieren – nicht nur an Schulen.

Text: Leon Scherfig

 

 

Foto: Müller

Ziele verfolgen

Asimenye Mukumbwa wusste schon während ihres Studiums der Ernährungswissenschaften, dass sie etwas verändern möchte: „Ich wollte Wissen erwerben und mich für andere einsetzen.“ Heute arbeitet die Malawierin für ein multinationales Unternehmen, das Zuckerrohr anbaut, und als Beraterin für Lebensmittelsicherheit. Ihre Vision: ein Start-up für den nachhaltigen Anbau von Obst und Gemüse zu gründen. Das Baden-Württemberg-STIPENDIUM hatte es ihr 2022 ermöglicht, an der Universität Hohenheim zu studieren. Nicht nur akademisch war der Aufenthalt ein Gewinn. „Ich habe wertvolle Kontakte geknüpft, die mir bei der Verwirklichung meines Traums helfen.“ Der Weg ist nicht immer einfach, doch die 34-Jährige bleibt entschlossen. „Auch wenn es mal Rückschläge gibt, konzentriere ich mich auf mein Ziel. Veränderungen geschehen durch kleine, konsequente Schritte, die am Ende eine große Wirkung haben.“

Text: Nora Chin

Foto: Müller

Lernen mit Hirn, Hand und Herz

Peter Eyerer ist Lehrer aus Leidenschaft. Vor 30 Jahren hat er mit 15 Gleichgesinnten die TheoPrax-Lehr-Lern-Methode entwickelt. Sie verbindet Theorie und Praxis, handwerkliche Fähigkeiten mit analytischem Denken. Der ehemalige Leiter des Fraunhofer- Instituts für Chemische Technologie gründete 2009 mit anderen die Offene Jugendwerkstatt Karlsruhe e. V., die von der Stiftung Kinderland über das Programm Innovative Werk!statt gefördert wird. Seitdem haben sich dort tausende Kinder und Jugendliche samstags in Handwerksberufen ausprobiert. Statt Frontalunterricht wird gemeinsam skizziert und probiert, getüftelt und geschraubt. Unter der Woche kommen Schulklassen. „Viele haben bei uns ihren Beruf fürs Leben entdeckt“, sagt Eyerer. Bis heute packt er in der Werkstatt mit an, auch weil ihn das „allgemein sinkende Bildungsniveau“ umtreibt: „Wir brauchen solche Orte, wo Hirn und Hand und Herz gelebt werden können – überall im Land!“

Text: Sylvia Rizvi

Foto: Müller

Die Macht der Musik spüren

Anna Ziegler (links) und Anna-Lena Eifert bedeutet Musik fast alles. Beide haben an den Kreativwochen der Kulturakademie teilgenommen, einem Programm der Stiftung Kinderland. Schülerinnen und Schüler können dabei ihre Begabung in Musik, aber auch in bildender Kunst, in Literatur oder in den MINT-Fächern vertiefen. „Ich habe neue Techniken gelernt und viele Freunde gefunden“, sagt Querflötistin Anna Ziegler: „Es macht sehr viel Spaß, mit anderen zu musizieren und zu üben. Die Gemeinschaft, die entsteht, gibt mir Zuversicht und hilft mir im stressigen Schulalltag.“ Auch Anna-Lena Eifert kennt die Macht der Musik: „Wenn ich singe, fühle ich mich grenzenlos frei und selbstbewusst. Das sind Kräfte, die durch nichts anderes ausgelöst werden.“ Nach dem Abitur möchte sie Operngesang studieren und Sängerin oder Musiklehrerin werden. „Die Kreativwochen haben mir Mut gemacht, dass Musik in meiner Zukunft eine sehr große und nie endende Rolle spielen kann.“

Text: Alexandra Bürger

 

 

Foto: Müller

Helfen hilft allen

Simmuz Doymaz kam 2006 mit seiner Familie aus der Türkei nach Deutschland. Sechs Jahre war er Stipendiat von Talent im Land (TiL). Über das Programm werden engagierte Jugendliche, die soziale Hürden überwinden müssen, auf ihrem Weg zum Abitur oder zur Hochschulreife begleitet. Hauptschule, Gymnasium, Universität – heute ist Doymaz Dozent in der Erwachsenenbildung und will sich im Bereich Elektro- und Informationstechnik selbstständig machen. Er hat sein Talent voll entfaltet! Ehrenamtlich fördert der 29-Jährige seit sieben Jahren im Verein Sprungbrett Bildung e. V. nun selbst Jugendliche: „Ich habe gelernt, dass Menschen durch gute Förderung früher oder später den Entschluss fassen, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Jugendliche und Erwachsene setzen Tag für Tag in Universitäten, Vereinen und Organisationen ein super Engagement um. Und das Wichtigste ist: Sie sind alle mit dem Herzen dabei. Das motiviert mich.“

Text: Sylvia Rizvi

 

 

Foto: Müller

MINT schafft Mehrwert

Eva Grech ist Konrektorin an der Anne-Frank-Realschule Laichingen. Regelmäßig bucht sie das Programm COACHING4FUTURE. Junge Coaches kommen direkt ins Klassenzimmer oder rollen mit zwei Erlebnis-Lern-Trucks auf den Schulhof. Sie zeigen Schülerinnen und Schülern, wie vielseitig Berufe in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sind. Die Jugendlichen können bei interaktiven Workshops mitmachen, Robotern das Laufen beibringen oder Gegenstände mit einem 3D-Scanner digitalisieren. Weil das didaktisch gut aufbereitete Angebot zu ihnen in den ländlichen Raum kommt, spart es Schulen Zeit und Aufwand. „Die Schülerinnen und Schüler können einen Blick in ihre berufliche Zukunft werfen“, freut sich Eva Grech über das Programm, das die Stiftung gemeinsam mit Südwestmetall und der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit realisiert. „Sie erfahren Neues, kommen auf innovative Ideen und haben dadurch einen klaren Mehrwert.“

Text: Sylvia Rizvi

Foto: Müller

Start-up gründen

Als Marie Weedermann und ihre Kommilitonin Janine Weigele 2021 die Abschlusspräsentation zu ihrem Masterstudienprojekt hielten, ahnten sie nicht, was daraus entstehen würde. Ihre Idee: eine KI-gestützte Qualitätskontrolle von Nähten. Eine Kamera wird an einer Nähmaschine montiert, überwacht die Nahterstellung in Echtzeit und meldet Fehler. „Nach unserem Vortrag kam ein Vertreter des Förderprogramms KI-Garage der Baden-Württemberg Stiftung auf uns zu“, sagt Weedermann, die an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen Textil- und Bekleidungsmanagement studiert hat. Die KI-Garage unterstützt Studierende, Forschende und Gründer dabei, durch Coaching, Mentoring und Workshops KI-Start-ups aufzubauen. „Die Förderung legte den Grundstein. Heute haben wir ein eigenes Start-up und ein Produkt entwickelt, das die Idee umsetzt: den FAIBRICS seamguard.“

Text: Leon Scherfig

Foto: Müller

KI verbessern

Heiko Paulheim hat als Informatikprofessor an der Universität Mannheim eine technische Perspektive auf Künstliche Intelligenz: Er versucht, Algorithmen effizienter zu machen. Paulheim hat KI-gesteuerte Empfehlungssysteme für Nachrichten untersucht. Oft heißt es, Plattformen wie TikTok würden nur Inhalte anzeigen, die in das jeweilige Weltbild des Users passen und so zur Polarisierung beitragen. „So eindeutig lässt sich das nicht nachweisen“, sagt Paulheim. Man könne den Algorithmus aber so verändern, dass er Informationen ausgewogener ausspielt. Durch die Förderung der Baden-Württemberg Stiftung ist der Aspekt der Verantwortlichen KI in Mannheim stärker in den Fokus genommen worden, inzwischen ist sogar eine Juniorprofessur für diesen Bereich entstanden. Aktuell arbeitet Paulheim unter anderem an der Frage, wie KI in der Medizin helfen kann, präzise und gleichzeitig nachvollziehbare Diagnosen zu erstellen.

Text: Joshua Kocher

Foto: Karakurt

Physik erfahren

Oliver Breuer lehrt Naturwissenschaft und Technik an der Graf-Eberhard-Schule in Kirchentellinsfurt im Kreis Tübingen. In seiner Technik- AG setzt er auf Lernen durch selbstständiges Experimentieren, unterstützt vom Programm mikro makro mint. Um die Physik des Auftriebs zu erforschen, bauten seine Schüler den Frontflügel einer Hydrofoiling-Tragfläche für ein Surfbrett. Gezogen von einem Motorboot, sind sie mit ihrer Konstruktion über den Neckar geflogen. Weil es schwierig war, das Gleichgewicht zu halten, entwickelt die AG nun eine Haltevorrichtung, die seitlich am Boot angebracht wird. Erste Surftests sind für Mai geplant. Breuers Fazit: Zusammen nachdenken, tüfteln, schrauben, dranbleiben sind wichtige Erfahrungen. „Und die Schüler erschaffen etwas, was es noch nicht gibt.“ Noch sind im neuen Projekt technische Herausforderungen zu meistern. „Aber ich bin sicher, wir kriegen das hin!“

Text: Sylvia Rizvi

Foto: Müller

Geschichte erleben

Linda Prier denkt gern an das Projekt „Abenteuer Leben – Jungen dürfen wieder Jungen sein“ (2012 bis 2015) des Programms Kulturlotsen für Kinder zurück. Es war ihr erstes eigenes Projekt in der Landesverwaltung für Schlösser und Gärten – und es lief super. Männliche Fachkräfte lotsten acht- bis zwölfjährige Jungen durchs barocke Leben im Ludwigsburger Schloss. Diese durften in Kostüme schlüpfen, Fechten üben oder historische Berufe wie Steinmetz kennenlernen. „Jungs aus unterschiedlichen Kulturkreisen wurden zu einer Gemeinschaft“, sagt die Kunsthistorikerin. Die Kinder gewannen an Selbstachtung und Selbstwertgefühl. Nach Projektende flossen die Erfahrungen in die Gestaltung anderer Führungen ein. Wenn Prier beim Landesamt für Denkmalpflege, wo sie inzwischen arbeitet, Schulklassen begegnet, freut sie sich, wie erwartungsvoll viele Kinder in die Zukunft blicken. „Sie sind tolerant und wohlwollend miteinander“ – und offen für ihre eigenen Abenteuer.

Text: Sylvia Rizvi

 

 

Foto: Müller

Kunst verändert: nachhaltig!

Christian Burmeister-van Dülmen ist kaufmännischer Leiter des Theaters Lindenhof in Burladingen. Er managt die Finanzen des politisch-kritischen Volkstheaters mit seinen rund 200 bis 300 Vorstellungen im Jahr. „Das Theater-Lindenhof-Team möchte Menschen bewegen.“ Auch Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle. Mithilfe der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg hat das Theater seine eigene Treibhausgasbilanz erstellt. Die Daten helfen, Einsparpotenziale zu identifizieren und die Emissionen weiter zu senken. Es entstand eine Nachhaltigkeitsrichtlinie, eine Kooperation mit einem Car-Sharing-Unternehmen, ein E-Auto wurde angeschafft. Weitere Maßnahmen folgen. Denn: „Kunst ist eine Manifestation von Zuversicht“, sagt Burmeister- van Dülmen. „Sie ist Widerstand, Wandel, Hoffnung. Und unser Theater Lindenhof ist seit über 40 Jahren genau das: ein Ort des kreativen Vertrauens, des mutigen Abweichens von der Norm, des gemeinsamen Schaffens.“

Text: Sylvia Rizvi